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Leipzig-Leutzsch

Lage:

nordwestliches Stadtgebiet

04178 Leipzig, Zum Leutzscher Holz 21

Entstehungsjahr:

1921

Gesamtgröße:

6,08ha

Anzahl der Parzellen:

214

Eigentumsverhältnisse:

Städtisch

Ausstattung:

Vereinsgaststätte

Erreichbarkeit:

Straßenbahnlinie 7 bis Haltestelle Barnecker Straße


Leipzig-Leutzsch hat vier historisch gewach­sene Siedlungsteile. Die alte Ortslage mit Tanzplan, die (Arbeiter-)Wohnviertel, das 1870 entstandene Industrieviertel und das etwa gleichzeitig entstandene Villenviertel. Die Leipzig-Leutzscher Flur grenzt im Nor­den an Böhlitz-Ehrenberg. Diese Ortschaft entstand nicht nur – wie der Name nahelegt – aus den beiden Dörfer Böhlitz und Ehren­berg sondern aus ehemals fünf Dörfer bzw. Gütern: aus Barneck, Rochlitz, Ehrenberg, Gendsdorf und Neuscherbitz. Auf dieser Flurgrenze liegt die Kleingartenanlage „Vorwärts“ in unmittelbarer Nähe zum NSG Burgaue, dem Sportplatz und der Kläranlage. Eine Teilfläche der Kleingartenanlage „Vorwärts“ gehört zur Böhlitz-Ehrenberger Flur.

Der Vorsitzende des KGV „Vorwärts“ e. V. und seine Vorstandsmitglieder pflegten gute Arbeitskontakte zur Gemeinde Böhlitz–Ehrenberg. In regelmäßigen Abständen war der Bürgermeister zu Gast. Als am 1. Januar 1999 die Gemeinde nach Leipzig eingemeindet wird, werden die guten Bezie­hungen zwischen Vorstand und dem neu gebildeten Ortschaftsrat fortgesetzt.

Anfang des Jahres 1921 kaufte die Gemeinde Böhlitz-Ehrenberg ein 70.000 m² großes Gelände nördlich der Böhlitz-Ehrenberger / Gundorfer Straße an, welches zunächst für die Anlage eines Friedhofes vorgesehen ist, wo dann jedoch ein Sportplatz eingerichtet wird und am Rand des Geländes der Klein­gartenverein „Vorwärts“ am 1. Juni 1921 gegründet wird. Die Gründung wurde auf einer Mitgliederversammlung am 29. Januar 1921 beschlossen und in einem Protokoll dokumentiert. In der Vereins­registerakte des Polizeipräsidiums Leipzig ist unter Aktenzeichen 979 folgender Eintrag mit Datum 6. Juli zu finden: Gartenverein „Vorwärts“ Leipzig-Leutzsch, Satzung ist am 1. Juni 1921 errichtet und 1. Vorsitzender ist Hermann Kretschmar. Als 1. Schriftführer wird Richard Fischer im Register vermerkt. Ein halbes Jahr später am 1. Januar 1922 wird Leutzsch nach Leipzig eingemeindet. Im gleichem Jahr 1922 entstand der neue Kreisverband der Schreber- und Garten­vereine Leipzig deren Mitglied der Verein „Vorwärts“ vom Anfang an war.

Die Gründung des Vereins fällt in einer Zeit zahlreicher Neugründungen von Klein­gartenvereinen, wofür hauptsächlich die Notlage der Bevölkerung nach dem Ende des ersten Weltkrieges Anlass gab.

Die Zeitung „Vorwärts“ war aller Voraus­sicht nach Inspiration für die Namensgebung des Kleingartenvereins. Mit dem Pacht­vertrag vom 22. Juni 1921 wird für die Errichtung eines Kantinengebäudes eine Erlaubnis erteilt und festgelegt dass der Bezug von Bier durch die Brauerei Engel­hard erfolgt. Bemerkens- und erwähnenswert ist die Tatsache, dass laut Vereinsregister­akte von der Gründung des Vereins im Juni 1921 bis Juni 1928 jedes Jahr ein neuer 1. Vorsitzender gewählt wird und somit in den ersten 8 Jahren seit Bestehen des Vereins 8 Vorsitzende die Verantwortung über die Geschicke des Vereins übernahmen. Erst mit der Wahl des Polizeibeamten Kurt Füchsel, der am 18. Juni 1928 Vereinsvorsitzender wird, ist die Serie beendet. Am 28. Mai 1931 gibt er den 1. Vorsitz an Hans Bolze ab. Nach zweijähriger Pause wird am 9. Dezember 1933 Kurt Füchsel vom Führer der Stadtgruppe der Kleingärtner zum Ver­einsleiter berufen und steht diesen bis zum 1. Februar 1943 vor. Aus gesundheitlichen Gründen kann er dieses Amt nicht weiter ausüben und Kurt Poser wird zum Vereins­leiter berufen und im Vereinsregister ein­getragen.

Auf der Mitgliederversammlung am 05. März 1923 wird der Kostenvoranschlag für den Bau eines Vereinshauses über 5,2 Mio. Mark vom verantwortlichen Architek­ten den Vereinsmitgliedern vorgestellt. Die Mitglieder beschlossen das Vereinshaus größer auszuführen und setzten einen Bau­kostenrahmen von 8,0 – 10,0 Mio. Mark fest. Zur Finanzierung des Bauvorhabens zeich­nete jedes Mitglied 30.000,- Mark wobei auf Arbeitslose Rücksicht zu nehmen war. In der Mitgliederversammlung am 07. Mai 1923 wurde festgestellt, daß in der Kinderkasse 21.571,05 Mark sind und für den Baubeginn des Vereinshauses im Jahr 1923 wurde


grünes Licht gegeben. Die Vereinssatzung in einigen Punkten zu ändern wird am 1. Juni 1923 von den Vereinsmitgliedern beschlossen.

Am 26. Juni 1924 wird mit der Brauerei Sternburg, Lützschena, ein Vertrag über den Wiederbezug von Bier abgeschlossen und der Engelhard-Brauerei gekündigt. Die dazu erforderliche Ablösesumme von 3.000,- Mark wird über die Aufnahme eines Dar­lehns realisiert. Ein Teil der Finanzierung des Vereins und diverser Baumaßnahmen wurden zwischen 1924 und 1937 über Dar­lehn aufgebracht. Darlehngeber sind die Brauerei Sternburg, die Landesgruppe Sachsen der Kleingärtner e. V. und die Säch­sische Staatsbank „Filiale Leipzig“. Ob unmäßig viel Bier getrunken werden musste, um die von der Brauerei Sternburg gewähr­ten Kredite zurückzahlen zu können, ist nicht bekannt.

Und so wird in den 20er und 30er Jahre gebaut, umgebaut, saniert und erweitert. Fol­gende Baumaßnahmen sind belegt:

- der Anbau am Vereinshaus 1929

- die Umgestaltung der Abortanlage, die Vergrößerung der Küche, die Anordnung von Fenstern im Versammlungszimmer und der Einbau eines Schornsteins im Jahr 1929

- der Um- und Erweiterungsbau der Abortanlagen wird im Jahr 1937 geneh­migt und ausgeführt.


Laut Vereinsregisterakte des Polizeipräsi­diums Leipzig wurden in den Jahren 1922 bis 1934 mehrere Satzungsänderungen vor­genommen bzw. eine neue Satzung errichtet. So geschehen am 7. April 1934 als an Stelle der bisherigen Satzung eine neue getreten ist. Diese Satzung war ganz im Sinne der so­genannten nationalsozialistischen Bewegung geschrieben. Nach dieser Satzung kann nur Mitglied werden, wer Reichsdeutscher arischer Abstammung ist. Weiter kann man lesen, dass an der Spitze des Vereins der Vereinsführer steht. Er ist alleiniger Vor­stand und wird vom Führer der Stadtgruppe der Kleingärtner auf unbestimmte Zeit be­rufen. Ein mehrgliedriger Vorstand besteht nicht. Über die Angelegenheiten des Vereins, sowie über Satzungs- und Zweckänderung beschließt der Führer allein nach Anweisung des zuständigen Stadtgruppenführers. Gleichzeitig wurde der Name Gartenverein „Vorwärts“ Leipzig-Leutzsch e. V. in Klein­gärtnerverein „Vorwärts“ Leipzig-Leutzsch e.V. geändert.

„Leutzsch Gartenverein „Vorwärts“ e. V. Montag 6.4., Mitgliederversammlung, aber besser besucht als bei dem letzten Licht­bildervortrag der Gebr. Hertel, der leider nicht gut besucht war“.

 In den Zeitschriften „Garten und Kind“ Jahr­gänge 1925 bis 1942 ist der Kleingärtner­verein „Vorwärts“ regelmäßig unter der Rubrik Verbandsnachrichten zu finden. Hier erhält man einen sehr guten Einblick in das Vereinsleben mit seinen Pflichtveranstal­tungen und seinen kulturellen und geselligen Aktivitäten. Vorstandssitzungen, Jahres­haupt- und Mitgliederversammlungen, Schulungsabende werden regelmäßig durch­geführt, sind wenig beliebt und gehören zu den Pflichtveranstaltungen die nicht immer gut besucht sind. So kann man in „Garten und Kind“ in der Ausgabe 1925, Nr. 4, S. 98 nachlesen:

In den Mitgliederversammlungen werden auch häufig Fachvorträge von kompetenten Fachleuten und Gartenfreunden gehalten. So zu den Themen: Einkochen und Beerensaft­herstellung, Blumenschnitt und Pflege, Werden und Wachsen der Kleingarten­bewegung in Leipzig u.v.a. In den Haupt­versammlungen wurden Satzungsänderungen beraten und beschlossen bzw. Bewirtschaf­terwahl abgehalten.

Die Aufgaben des Vereins erschöpften sich nicht nur in einer guten Verwaltung und Organisation der ihm anvertrauten Klein­gärten oder im regelmäßigen Abhalten von Versammlungen. Zu den Aufgaben gehören auch die Pflege und Förderung des Gemein­schaftslebens seiner Mitglieder. Feste und Feiern sind dafür eine gute Möglichkeit. Hierzu findet man in den Jahrgängen 1925 – 1942 der Zeitschrift „Garten und Kind“ etliches. In den Verbandsnachrichten wird zu regelmäßigen Oster-, Sommer-, Garten-, Erntedank- und Weihnachtsfesten eingela­den. Die Osterfeste waren für die Kinder mit Überraschungen, wie Geschenkeverteilung, allerlei Unterhaltung und Puppenspiel ver­bunden. Die Sommerfeste begannen mit dem Abmarsch des Festzuges, unter Beteiligung der Gartenfreunde und Angehörigen, vom „Alten Gasthof“ in Leutzsch, Lindenauer Straße und führten zum Gartenverein „Vorwärts“ mit seinen geschmückten Gärten. Das Herbstfest und Tauchscher war bei allen Mitgliedern des Gartenvereins „Vorwärts“ sehr beliebt und auf der Festwiese fanden allerlei Belustigung für Jung und Alt mit großer Tombola, Schießstand und Kegeln statt. Regelmäßig wurden Weihnachtsfeiern für Erwachsene, mit Aufführung eines Theaterstückes der Kinder, sowie Weih­nachtsfeiern für Kinder mit Märchenauffüh­rung und Geschenkverteilung durchgeführt. Zu Silvester- und Familienfeiern lud der Verein seine Mitglieder in das Vereinsheim ein. Höhepunkte der Vereinsfeierlichkeiten waren das 10jährige Stiftungsfest am 21. Februar 1931 in Schäfers Ballhaus, Leutzsch (Alter Gasthof) mit Konzert, Männerchor, Theater, Tanz und die alljähr­liche Gründungsfeier im Lokal „Schwarzen Jäger“ oder in Schäfers Ballhaus. Der Verein feierte am 31. Oktober 1931 die Gründung seines Schießklubs. Es sind nicht nur die jahreszeitlich immer wiederkehrenden Feste, sondern auch Jubiläen, Kinderfeste und andere mehr, die der Zusammenführung der Gemeinschaft dienen. Auch die Beteiligung an Festumzügen, die Durchführung von vereinsinternen Spiel- und Tanzveranstal­tungen, Kinderbescherungen und andere Aktivitäten für Kinder unterstützen diesen Zweck. Für Kinder führte der Gartenverein „Vorwärts“ Puppenspiele, Märchennach­mittage, Kasperletheater, Kindernachmittage mit Schattenspiele und Spieltätigkeit auf den Spielplatz jeweils an zwei Tagen in der Woche durch. Preisschießen des Schieß­klubs, Theaterabende der dramatischen Abteilung und Bastelausstellungen gehörten auch mit zum kulturellen Vereinsleben. All diese Vereinsinitiativen lockerten die Bezie­hungen zwischen den Vereinsmitgliedern auf. Die Vereinsgemeinschaft erlebt durch Feste und Feiern eine Stärkung des Zusam­mengehörigkeitsgefühls. Generationen und Angehörige verschiedener sozialer Schichten feiern miteinander und lernen sich gegen­seitig zu akzeptieren und zu achten.

Im Jahr 1936 wird die Kleingärtneranlage „Vorwärts“ mit der Errichtung der neuen Anlage um 107 Kleingärten in westlicher Richtung erweitert. Das Gelände war sump­fig und morastig, so dass es mit Schlacke aus der nahe liegenden Gießerei aufgeschüttet und trockengelegt wurde. Der Damm, der die alte und die neue Anlage trennt bzw. zwischen diesen verläuft heißt „An der Luppe“.

Vom 1. Februar 1943 bis Ende 1948 ist Herr Kurt Poser erster Vorsitzender des Klein­gärtnerverein „Vorwärts“. Er führt den Ver­ein durch eine Zeit, die geprägt ist vom Krieg, vom Untergang eines verbrecheri­schen Regimes, dem Aufbruch und Neuan­fang mit allen Schwierigkeiten. In der Hungerzeit nach Kriegsende 1945 war ein Kleingarten Gold wert. Auch im KGV „Vorwärts“ wurde jedes noch so kleines Stück Erde zum Anbau von Kartoffeln, Gemüse und auch Tabak genutzt und damit die Ernährung und die Lebensbedingungen der Menschen maßgeblich verbessert.

Die politischen und gesellschaftlichen Ver­hältnisse hatten sich grundlegend geändert. Am 14. Februar 1946 wird die Kreisgruppe Leipzig der Kleingärtner e.V. aufgelöst und im Oktober 1946 der KGV „Vorwärts“ auf Antrag des Rates der Stadt Leipzig aus den Vereinsregister gestrichen. Die Vereine erhalten nun die Bezeichnung Kleingarten­gruppe und müssen einen bewährten antifaschistischen Kleingärtner als Vorstand benennen. Ab 1948 können Kleingärten in örtliche Vereinigungen der Kleingartenhilfe des FDGB und diese zu Kreisvereinigungen umgebildet werden. Mit Schreiben vom 09. Dezember 1949 wird der Kleingarten­gruppe „Vorwärts“ vom Kreisverband der Kleingartenhilfe des FDGB 250,– DM Bei­hilfe zum Aufbau bewilligt. Aber die Orga­nisation der Kleingartenhilfe bewährte sich nicht und litt unter ständigen Spannungen. Die Gewerkschaftsfunktionäre fühlten sich überfordert und die Kleingärtner bevormun­det. Es erfolgte die Loslösung vom FDGB und 1954 die Löschung der Kreisorganisa­tion des FDGB aus den Vereinsregister. Die Kreisverbände regelten ihre organisatori­schen Angelegenheiten selbst und waren finanziell selbständig. Aus den Beitragsauf­kommen, Umlagen, Fördermitteln und sonstigen Einnahmen die entsprechend den Statuten für das einzelne Mitglied festgesetzt wurden, finanzierten sie ihre Tätigkeit. Die Eintragung der Verbände wurde vom Volks­ polizei-Kreisamt (VPKA) vorgenommen.

 In den 50er Jahre war die DDR nicht immer das Paradies der Kleingärtner. Sie mussten sich gegen Widerstände durchsetzen und Kompromisse eingehen. Materialknappheit behinderte oder verzögerte Baumaßnahmen und dringend erforderliche Instandhaltungen am Vereinsheim, Gartenlauben und Zäunen.. Es war ein ständiger Kampf um Material und finanzielle Mittel. Die Gartenanlage „Vorwärts“ liegt auf hochwassergefährdetem Gelände. Die Frühjahrshochwasser in den Jahren 1954, 1955, 1956 und 1957 haben die Anlage total überflutet und erheblichen Schaden angerichtet.

Diese regelmäßigen Überflutungen werden durch den Überdruck im Mischwasser­sammler hervorgerufen.

Nach dem Hochwasser im Jahr 1957 wurde eine Kommission gebildet die für die Regu­lierung der Schäden verantwortlich war. Mit Schreiben vom 17. September 1957 bittet der Vorsitzende der Kleingartengruppe „Vorwärts“ den Kreisverband um die Zutei­lung von Dachpappe um notwendige Reparaturen am Gruppenheim auszuführen und Sturmschäden an Gartenlauben zu beheben.

In der Jahreshauptversammlung am 15. Februar 1958 wird berichtet das die Kleingartengruppe „Vorwärts“ im Jahr 1957 an Mitgliedern 217 hatte, von denen 13 einen Doppelgarten haben. Außerdem wird kritisiert, daß nur 30 Prozent der Kleingärt­ner an Mitgliederversammlungen teilnehmen und zwei Gartenfreunde ihre Gärten verwil­dern lassen sowie einer von den beiden seit 1954 keine Pacht zahlt. Die Forderung vom 33. Plenum der SED „Mehr Obst und Gemüse“ als gesellschaftliche Aufgabe wird umgesetzt indem alle Kleingartengruppen in Leipzig aufgerufen werden 5 kg Obst und Gemüse je Mitglied für den Konsum Leipzig abzuliefern und damit der Bevölkerung zur Verfügung zu stellen. Das sind für die Kleingärtner der Stadt 150 Tonnen.

Mit Schreiben vom 11. Oktober 1958 wendet sich der Vorstand an den Kreisverband mit den Hinweis, dass es Probleme mit der Sportgemeinschaft Chemie gibt. Die Sportler betreten die Gartenanlage weil der Zaun defekt ist und stehlen Obst. Dabei werden Einrichtungen verwüstet, Bälle fallen in die Anlage und zerstören Obst, Lauben und Garteneinrichtungen. Die Bälle werden eigenmächtig herausgeholt. Die betroffenen Gartenfreunde fordern eine Entschädigung. Aber in den nächsten vier Jahren geschieht in dieser Angelegenheit nichts. Es fehlt an Geld, Material und dem guten Willen. So wird in der Mitgliederversammlung am 16. Mai 1962 festgestellt, dass am Sportplatz noch immer kein Netzschutz vorhanden ist, der Zaun nicht repariert wurde und Garten­beschädigungen durch die Fußballer weiter­hin auftreten. Auch der Kreisverband der Kleingärtner konnte in dieser Angelegenheit nichts ausrichten. Mit Schreiben vom 18. Juni 1962 teilte der Justitiar der BSG Chemie den Kreisverband mit, dass nicht die Sportler sondern die Schüler der 3. Leutzscher Berufsschule, die hier Sport haben, zum größten Teil für die Schäden in der Gartenanlage verantwortlich sind. Außerdem war zuerst der Sportplatz da und erst dann wurden die Gärten angelegt. Daraus folgert der Justitiar, dass die Klein­gärtner für die Sicherungsmaßnahmen verantwortlich sind und die damit verbun­denen Kosten zu tragen haben.

Am 25. Januar 1959 kam es auf der Jahres­hauptversammlung zu einem handfesten Eklat. Die bestehenden Unstimmigkeiten zwischen den Kleingärtnern und dem Vor­stand konnte auch im Beisein der Mitarbeiter des Kreisvorstandes nicht aus den Weg geräumt werden. Daraufhin ist ein großer Teil des Vorstands zurückgetreten. Aus diesem Grund fanden am 17. Februar 1959 Vorstandswahlen mit dem Ergebnis statt, dass die Gartensparte „Vorwärts“ einen neuen Vorsitzenden bekam und dieser am 13. März 1959 in seiner Funktion bestätigt wurde.

Im November 1959 wird auf Initiative einer zentralen Fachkommission der „Verband der Kleingärtner, Siedler und Kleintierzüchter“ e. V. (VKSK) gegründet. Natürlich gab es auch, wie im normalen Leben, Zank und Streit zwischen den Gartennachbarn. So wird am 12. Februar 1960 im Protokoll der Konfliktkommission folgender Streit notiert und entschieden. Ein Gartenfreund musste seine Ziege abschaffen, da die Nachbarn vom Meckern genervt wurden und kein art­gerechter Stall vorhanden war. Ebenso musste ein Hühnerliebhaber neue Stallungen bauen, da seine Hühner öfter ausbrachen und die Nachbargärten verwüsteten.

Das Lokal „Schwarzer Jäger“, in dem viele Vereinsfeiern stattfanden, wurde 1961 zum Jugendklubhaus umgebaut. Von Vandalis­mus und Einbruch betroffen war die Sparte im Jahr 1961. So wurde bei einem Lauben­einbruch am 08. Juni 1961 das Chaiselongue und die darauf liegenden Sachen in Brand gesteckt. Der betroffene Gartenfreund war versichert und bekam für den entstandenen Brandschaden 233,– DM von der Deutschen Versicherungsanstalt. Die Mitgliederver­sammlung vom 18. Oktober 1962 wurde mit einen festlichen Anlass verbunden. Für 25 bzw. 40 Jahre Gartenmitgliedschaft wurden Angehörige der Kleingartensparte „Vorwärts“ mit einer Urkunde, einem Blumenstrauß und einem Warenscheck für das HO-Kaufhaus geehrt. Die Ehrung fand in der neu renovierten Gaststube statt. In dieser Versammlung wird den Mitgliedern mitge­teilt, dass eine Großmarkthalle in der Gast­stätte des Spartenheims Obst und Gemüse einlagern möchte, da seit längerer Zeit keine Bewirtschaftung erfolgte. Warum man kei­nen Gastwirt gefunden hat und ob das Spar­tenheim monatelang oder sogar Jahre geschlossen war, ist in den Protokollen nicht vermerkt.


In der Jahreshauptversammlung Anfang 1963 wird die Vermietung des Saals an eine Großmarkthalle abgelehnt. Der Grund der Ablehnung ist die Absicht das Spartenheim am 01. Mai 1963 mit Bewirtschaftung wieder zu eröffnen. Weiterhin wird mitgeteilt das im Jahr 1962 die Sparte 230 Gärten und 213 Mitglieder, von denen 17 einen Doppelgarten haben, hatte. Kritisiert wird der schlechte Besuch von Veranstaltun­gen und Versammlungen mit einer Teil­nahme von nur zirka 30 Prozent. 1962 wurden von den Mitgliedern 1754 NAW-Stunden geleistet, das Dach vom Sparten­heim und Geräteschuppen neu gedeckt, neue Dachrinnen am Spartenheim angebracht, das Gastzimmer renoviert und Aushangkästen erneuert. In der Versammlung wird auch festgestellt, dass in der Gartensparte keine Kulturarbeit stattfindet. In den Aufzeichnun­gen der 50er bis 80er Jahre findet man sehr wenig über Feste und nichts über kulturelle Aktivitäten, wie sie gute Tradition des Ver­eins „Vorwärts“ in den 20er und 30er Jahre waren. Kein Hinweis auf regelmäßige Oster-, Sommer-, Garten-, Erntedank- und Weih­nachtsfeste oder Festumzüge. Auch Silvester- und Familienfeiern, Stiftungsfeste oder Gründungsfeiern wurden nicht erwähnt. In einem Protokoll aus den Jahr 1968 sind an Festen ein Kinderfest, ein Spartenvergnügen, zwei Frauennachmittage und ein Rentner­nachmittag vermerkt. Aus Anlass des 20. Jahrestages der DDR und des 10-jährigen Bestehens des Verbands der Kleingärtner erhält der Verein am 18. Dezember einen Förderbetrag von 500,– Mark.

Im Jahr 1972 wurden in Eigeniniative alle Gärten mit einem Elektroanschluss ausge­stattet und 1974 die Lichtanlage erneuert. Das Jahr hatte 1981 keine kulturellen Glanz­punkte außer Frauentagsfeier, Tanzabend, Kinderfest und Rentnerfeier. Mitte der 80er Jahre waren einige Kleingärtner der Mei­nung, dass ihre alte Holzlaube nicht mehr benutzbar ist. An Stelle der alten Holzlaube wurde in Eigeniniative eine Laube in massi­ver Bauweise mit Aufenhaltsraum, Koch­nische, Geräteraum und Toilette, mit einem oder mit zwei Räumen, zum Teil mit Bruch­steinsockel und Elektroanschluss gebaut.

Und wie so oft in der Geschichte des Klein­gärtnervereins „Vorwärts“ veränderten sich 1989/1990 die gesellschaftlichen und politi­schen Strukturen. Mit der Einheit Deutsch­land begann auch für den Verein eine neue Etappe. Sie war ein bedeutender Einschnitt für die Entwicklung des KGV „Vorwärts“ u. a. hinsichtlich der Wiedereintragung des Vereins in das Vereinsregister und der recht­lichen Unabhängigkeit. Diese Veränderun­gen konnten nur mit einem neuen Vereinsvorsitzenden und Vorstand durch­geführt und bewältigt werden. Die Auf­bruchstimmung erfaßte auch die Mitglieder. Die Materialknappheit war überwunden, neue Möglichkeiten taten sich auf und so wurde mit großen Elan repariert, saniert und investiert.

Die Vereinsgaststätte wurde instandgesetzt und verpachtet. Der Außenzaun wurde aus eigenen Mitteln erneuert, Pflegeverträge für bestimmte Objekte abgeschlossen, ein Weg vom Wohngebiet zur Anlage angelegt, neue Laternen installiert und die Zufahrt neu gestaltet. Dies war alles nur durch die För­dermittel der Stadt Leipzig und durch die sehr gute Zusammenarbeit mit dem Ort­schaftsrat von Böhlitz-Ehrenberg möglich. In vorbildlicher Weise wird der Kleingarten­verein „Vorwärts“ im Rahmen der Brauch­tumpflege materiell und finanziell vom Ortschaftsrat unterstützt. Die Freiwillige Feuerwehr von Böhlitz-Ehrenberg stellte beim großen Hochwasser im Jahr 2002, wo 175 Parzellen überflutet wurden, ihre Pum­pen zur Verfügung und bei notwendigen Baumfällungen werden Kettensägen dem Verein kostenlos zur Nutzung überlassen. Die Jahreshauptversammlung findet in der Gaststätte „Große Eiche“ statt. Dies ist mög­lich da der Ortschaftsrat die Kosten der Saalmiete übernimmt.


Im Gegenzug nutzen die Kinder aus den Böhlitz-Ehrenberger Kindergärten den Ver­einsspielplatz und in den Kindern wird das Verständnis für die Erhaltung von Natur und Landschaft geweckt.

Und wieder wird es zur guten Tradition, jedes Jahr ein Sommerfest mit Freibier, Kulturprogramm, Händlern und Tombola mit Präsenten von Gartenfreunden durchzuführen.


Ebenso wird der Kleingärtnerverein „Vorwärts“ seiner sozialen Verantwortung gerecht, indem er Senioren zu einer Weihnachtsfeier bei Chor, Kaffee und Abendessen einlädt.